Der Baksýtanz
entstammt den schamanischen Traditionen aus den Altairegionen, Kasachstan, Kirgisien und anderen zentralasiatischen Ländern, wie der Mongolei.
Er ist ein antikes Modell der alten Musiktherapietradition.
Inzwischen ist dieser Tanz auch in das folkloristische Repertoire der Bevölkerungen eingegangen.
Der Tanz, so wie Dr. Güven¸ ihn verwendet, stammt von einer Schamanin aus dem Altaigebirge.
Sie lehrte ihn die Musik, wie die Bewegungen und erteilte ihm den Auftrag und die Erlaubnis den Tanz praktizieren und lehren zu dürfen.
Er beinhaltet viele Symbole:
Erster Abschnitt
Man beginnt vom Erdboden ausgehend, hockend, wenn es geht mit gekreuzten Beinen.
Diese Haltung symbolisiert die Einheit von Mensch und Erde. Der Mensch ist aus Erde gemacht und kehrt zu ihr zurück. Es symbolisiert auch den Wunsch, mit der Urväterseele in Kontakt zu treten.
Es wird zu Beginn ein kurzes Gebet an die Ur - Väter / Mutterseele (die geistige Kraftquelle all derer, die mit dieser Tradition arbeiten) gerichtet, mit der Bitte um Gesundheit.
Danach beginnt man mit spiralförmigen, rhythmischen Armbewegungen die Energie zu wecken und durch den Körper fließen zu lassen.
Diese Spiralbewegungen findet man in vielfältigen Formen auch in der Natur und ihren Bewegungen.
Beispiele: der genetische Code des Menschen ist in einer Doppelhelix angeordnet, die sich spiralförmig dreht; die Seidenraupen verpuppen sich in Spiralform und die Bienen übermitteln in Form ihrer Spiraltänze ihre Informationen an die Artgenossen.
Im zweiten Abschnitt
des Tanzes werden Schulterbewegungen zur Lockerungen der Muskulatur durchgeführt. Die Energie steigt auf in den Nacken - Schulterbereich.
Im dritten Abschnitt
des Tanzes folgen Kopfbewegungen. Wichtig ist es, die Bewegungen sanft, ohne Reißen und zu starke Willensanstrengungen zu tun. Blockaden lösen sich. Diese Bewegungen wirken Kalkablagerungen im ganzen Hals-Nackenbereich entgegen.
Im vierten Teil
tanzt der Übende intuitiv und improvisierend zu den Melodien und Rhythmen.
Es ist möglich, das neue Gefühlsebenen erlebbar werden, das Freude, Leichtigkeit, Hoffnung und auch das Miteinandersein helfen, die momentanen Schwierigkeiten zu überwinden.
Im "echten" Schamanenritual findet der Schamane hier über die Trance Zugang zu der geistigen Welt, mit der er kommuniziert und aus der er sein Wissen erhält.
Nach dem Improvisationsteil kehrt der Tänzer auf dem gleichen Weg über Kopf -
Schulter - und Armbewegungen wieder zur Erde zurück.
Musik und Tanz, einerseits zu den Künsten gehörend, können wie andere Kunstformen dem Menschen dazu verhelfen, seinen Charakter zu entwickeln, sein Selbst zu finden, sich physisch und geistig zu formen und zu Gesundheit und Reife zu gelangen.
Die gespielte und gesungene Musik ist meist pentatonisch. Rhythmen und Melodien sind meist so gewählt, dass jeder in seinem eigenen Tempo und seinen Fähigkeiten entsprechend folgen kann.
Gedanken zum Baksý - Tanz aus neurophysiologischer Sicht
Im Baksý Tanz finden wir viele Überkreuzbewegungen, Bewegungen, die die Körpermittellinie überkreuzen. Es beginnt mit den überkreuzten Füßen und geht über die Armbewegungen zu den rotierenden, wie hin- und herschiebenden Kopfbewegungen.
Das Gehirn ist eine Anhäufung von ca. 12 Milliarden Nervenzellen (Neuronen), von denen die meisten, ca. 9 Milliarden in der obersten Schicht, der Großhirnrinde konzentriert sind.
Das Gehirn besteht aus verschiedenen Teilen, die entwicklungsgeschichtlich betrachtet, unterschiedlich alt sind. Der jüngste Teil ist das Großhirn, mit den beiden Hemisphären, der linken und rechten Gehirnhälfte.
Jedes Gehirnareal erfüllt bestimmte Aufgaben. Der Kortex sollte der Sitz des Intellekts, der Entscheidungen und der kontrollierten Reaktionen sein. Er kann seine Aufgaben aber nur dann mühelos und effizient erfüllen, wenn die Reflextätigkeit der unteren Zentren zur richtigen Zeit und in hierarchischer Reihenfolge integriert wird.
Die rechte Gehirnhälfte steuert die Funktionen der linken Körperseite, die linke Gehirnhälfte steuert die Funktionen der rechten Körperhälfte.
Außerdem ist die linke Gehirnhälfte bei den meisten Menschen zuständig für:
- Logisches & analytisches Denken,
- Details,
- Struktur,
- zielgerichtet
- analog in ihrer Funktionsweise
- Man nennt sie auch das mentale, verbale und "ausprobierende" , anlytische Gehirn.
Die rechte Gehirnhälfte ist die “kreative”.
- Sie sorgt für den Überblick über das große Ganze.
- Gefühle, Farben
- Sie ist eher ungerichtet, ganzheitlich, synthetisch und simultan in ihrer Funktionsweise.
- Mann nennt sie auch das emotionale, Reflex - oder Gestalt-Gehirn.
Jede Lernaufgabe erfordert eine Integration der beiden Funktionsweisen, eine Synchronisation beider Hirnhälften.
Das Gehirn ist in zwei Teile geteilt, die beiden Hemisphären.
Sie sind durch eine "Brücke", dem corpus callosum, miteinander verbunden. Diese Brücke dient einerseits dem Austausch der beiden Gehrinhälften, anderer seits soll diese Trennwand bei bestimmten Gelegenheiten Informationen der einen Hälfte des Kortex von der anderen fernhalten. Diese Brücke sollte in der Lage sein, den Austausch von Informationen entweder zu hemmen oder zu fördern. Wenn das Corpus callosum den Informationsaustausch zwischen der rechten und linken Gehirnhälfte nicht zuverlässig gewährleistet, kann es zu Schwierigkeiten kommen, bestimmte Informationstypen zu dekodieren, erlernte Fakten auf neue Situationen zu übertragen und Probleme zu lösen. Eine Gehrinhälfte erkennt dann vielleicht nicht, dass sie die Antwort weiß, oder sie leitet die relevanten Informationen nicht zur anderen Gehirnhälfte.
In den Zellen dieser Brücke gibt es vergleichsweise weniger Gehirnschaltkreise oder Neuronen als in jeder der beiden Gehirnhälften.
Wenn wir unter Stress stehen wird der Austausch von Informationen über diese Brücke eher blockiert, oder es findet ein mangelhafter Austausch zwischen der rechten und linken Hemisphäre statt. Damit wird es schwieriger das Gehirn als Ganzheit einzusetzen. Ein relativ größerer Anteil an Schaltkreisen funktioniert nicht mehr störungsfrei.
Bei der Lernfähigkeit tritt dies klar zu Tage.
In Stresssituationen stellt das Gehirn eine Art Notprogramm zur Verfügung.
Wenn wir unter Stress stehen, dominiert in der Regel eine der beiden Gehirnhälften.
Das Gehirn wählt aufgrund unserer Erfahrungen und unter Berücksichtigung der aktuellen Situation ein Handlungsmuster aus. Dieses soll uns vor Schmerz und Angst schützen und somit unser "Überleben" sichern.
Nur wenn wir entspannt sind können wir über unser gesamtes kreatives, kognitives, analytisches Potential verfügen.
Es gibt einen direkten Zusammenhang zwischen konkreten Lernproblemen und der Integration und Synchronisation beider Gehirnhälften.
In der Entwicklung von Kindern stellt die Aufgabe, die Körpermittellinie überkreuzen zu können einen wichtigen Aspekt dar, der uns Auskunft gibt, über die Funktionsweise, bzw. Reife des Gehirns.
Wenn ein Kind geboren wird und aus dem schützenden Ort der Gebärmutter in die Welt kommt, wird es fast mit einer überwältigenden Masse an Sinnesreizen bestürmt. Es tauscht eine Welt des Gleichgewichts gegen eine Welt des Chaos. Es hat die beständige Wärme verlassen und findet Hitze und Kälte vor. Es wird nicht mehr automatisch mit Nahrung versorgt, es muss anfangen, bei der eigenen Nahrungsversorgung mitzuwirken.
Das Blut der Mutter versorgt es nicht mehr länger mit Sauerstoff, es muss selbst atmen. Es muss beginnen, die Erfüllung seiner eigenen Bedürfnisse zu suchen und zu finden.
Um zu überleben, ist es mit einer Anzahl frühkindlicher Reflexe ausgestattet. Diese Reflexe sollen unmittelbare Reaktionen auf die neue Umgebung und die sich verändernden Bedürfnisse sicherstellen.
Frühkindliche Reflexe sind automatische, stereotype Bewegungen, die vom Gehirnstamm gelenkt und ohne Beteiligung der des Kortex ausgeführt werden.
Bewusstsein ist nur möglich, wenn der Kortex am Geschehen beteiligt ist.Die frühkindlichen Reflexe schaffen die Grundlagen für alle späteren Funktionen, indem sie integriert und von der Willkürmotorik allmählich abgelöst werden. Die zunehmende aktive Kontrolle höherer Gehirnstrukturen über die Aktivität des Hirnstammes kennzeichnet eine wachsende Reife des Zentralen Nervensystems.
Manchmal jedoch geschieht die Integration und Ablösung nur unzureichend und ein Reflex bleibt rudimentär bestehen.
Das kann dann dazu führen, das die Körpermittellinie nicht oder nur schwer überkreuzt werden kann, mit Folgen schlechter Fertigkeiten in Augen-, Kopf- und Körperbewegungen, was wiederum andere Probleme nach sich zieht.
Überkreuzbewegungen dienen also der Integration der beiden Gehirnhälften. Beide Hemisphären werden gleichzeitig aktiviert. Rechts - Links Blockaden können sich auflösen.
Der Baksý Tanz ist ein Medium, das durch die Musik, mit ihren unterschiedlichen Rhythmen und den Melodien, sowie den dazugehörigen spezifischen (Überkreuz-) Bewegungen, dem Gehirn "Nahrung" zukommen lässt, die auf allen Ebenen verarbeitet wird und damit zu einer guten Integration beiträgt.
Schon Föten reagieren auf Musik mit Bewegungsveränderungen. Rhythmus beginnt im Körper und ist eine vestibuläre Funktion. Natürliche Bewegungen wie Gehen, Laufen, Hüpfen, Beugen, Strecken, u.a. sind rhythmische Muster, die auch in der Sprache wichtige Elemente darstellen.
Unterschiedliche Kombinationen von Klängen und Rhythmen, wie auch beim Baksý Tanz, können die Frequenzen, die in unterschiedlichen Hirnwellenzuständen aktiv sind, sowohl nachahmen, als auch hervorrufen.
Musik mit Tanz können das Gehirn in eine wünschenswerte seelische Verfassung versetzen, abhängig davon, welchen Zustand wir herstellen wollen. Der Baksý Tanz beeinflusst einerseits unsere Gefühle, andererseits lädt er zu rhythmischen Bewegungen ein, die einer besseren Koordination der beiden Gehirnhälften dienen, auf der Basis der Integration niederer Hirnstrukturen.